Südkurier, von Pauline Filthaut
Familie Kohler hält dem Hegauer FV seit drei Generationen die Treue.
Kevin und Dennis Kohler spielen für den Hegauer FV. Papa Lars ist im Vorstand aktiv und auch Opa Egon war Spieler, Trainer und engagiert sich bis heute im Verein.
Es ist 12.15 Uhr an einem heißen Sommertag im Juli. Bei Temperaturen von weit über 30 Grad lässt es sich wohl nirgendwo wirklich gut aushalten. Im Hintergrund zwitschern die Vögel und man hört das Plätschern des Pools im Garten, der eine willkommene Erfrischung bieten würde. Doch Kevin, Dennis, Lars und Egon Kohler haben sich rund um den Tisch auf der schattigen Terrasse des modernen Wohnhauses, in dem Papa Lars Kohler mit seiner Frau und dem jüngeren Sohn Dennis lebt, niedergelassen. Auf dem Tisch steht eine Flasche Wasser mit ein paar Gläsern, rundherum liegen ausgebreitete Zeitungsartikel und Bilder. Die hat die Familie für das Interview mitgebracht, denn heute soll es um ihre Geschichte gehen.
Verschiedene Positionen beim Hegauer FV
Eine Geschichte von drei Generationen, die alle für den Hegauer FV aktiv sind. Kevin spielt in der ersten Mannschaft des HFV, die in der vergangenen Saison den fünften Tabellenplatz in der Landesliga erreichte. Sein jüngerer Bruder Dennis läuft für die zweite Mannschaft (Kreisliga A) auf und trainiert die A-Jugend, während ihr Vater Lars im Vorstand des Hegauer FV ist. Angefangen hat jedoch alles mit Opa Egon, der dem Verein seit 64 Jahren die Treue hält. Der 76-Jährige war selbst Spieler und begann beim SV Welschingen mit dem Fußballspielen. Später wurde er Trainer, Jugendleiter, sogar Stützpunkttrainer – und einer der größten Unterstützer seines Sohnes und seiner Enkel. „Seit Kevin und Dennis laufen können, haben sie in Welschingen auf mich gewartet und wir haben zusammen Fußball gespielt“, erinnert sich Egon Kohler. Heute sind Dennis und Kevin 20 und 24 Jahre alt und noch immer verbringen sie gemeinsam Zeit auf und am Fußballplatz – auch wenn der ehemalige Kaufmann der Sparkasse Singen heute eher zuschaut. „Für mich ist es sehr schön, wenn Opa dabei ist, weil man das sonst nicht so oft sieht“, findet Dennis Kohler, der mit seinen Freunden gerne in die Berge wandern geht. Doch der Großvater ist nicht nur zum Zuschauen da. Den Rentner findet man immer noch viermal die Woche auf dem Gelände des Hegauer FV, denn er kümmert sich um die Dinge, die eben so anfallen. Und am Wochenende ist er selbstverständlich da, um seine Enkel zu unterstützen. „Es gibt kein Wochenende, wo Dennis und Kevin nicht fragen, ob meine Frau und ich zuschauen kommen“, erzählt er. „Die Frage ist ja eigentlich überflüssig. Du bist sowieso da”, erwidert Lars Kohler von der anderen Seite des Tisches und lacht.
Das schönste Trainerjahr für Lars Kohler
Man merkt: Die Stimmung zwischen Opa, Vater und den Enkelsöhnen ist ausgelassen. Immer wieder schwelgen sie in Erinnerungen und lachen gemeinsam. So auch als Lars vom Trainingslager mit der D-Jugend erzählt, in der er Trainer und einer seiner Söhne Spieler war. Gemeinsam mit 19 Kindern und einigen Eltern fuhren sie ein paar Tage ins Allgäu. „Die Jungs waren fußballerisch und charakterlich sehr gut. Die Gemeinschaft war toll. Das war das schönste Trainerjahr, das ich hatte“, schwärmt der 52-Jährige und hält seinen Unterarm hoch, der trotz der hohen Temperaturen mit einer Gänsehaut überzogen ist. Auch er selbst war einst Spieler des Vereins. „Ich habe immer für den Hegauer FV und die Vorgängervereine gespielt. Ich bin sozusagen Gründungsmitglied der F-Jugend“, erzählt Lars Kohler unter dem Lachen seiner Familie. Im Jahr 2007 hat er seine Fußballschuhe an den berühmten Nagel gehängt und ist nach verschiedenen Trainerpositionen innerhalb des Hegauer FV nun im Vorstand aktiv. Bei so viel Engagement kann man fast von Glück sprechen, dass er sich damals für den Fußball entschieden hat. Lars Kohler hat nämlich auch leidenschaftlich gerne Tennis gespielt, doch irgendwann musste er aus Zeitgründen eine Sportart aufgeben. Für den Hegauer FV hat sich letztlich jeder der Kohlers entschieden. Obwohl Kevin in der D- oder C-Jugend, ganz genau weiß er es nicht mehr, einmal ein Probetraining beim SC Freiburg hatte. „Mir war schnell bewusst, dass ich sehr heimatverbunden bin“, begründet der Immobilienmakler seine Entscheidung, im Hegau zu bleiben.
Hegauer FV ist für Familie Kohler Heimat
Heimatverbunden – so kann man sie wohl alle beschreiben. Und Heimat ist eben auch der Hegauer FV. „Das ist sozusagen ein Zweitwohnsitz“, sagt Lars Kohler. Sein Vater und seine beiden Söhne können dem nur zustimmen. Schließlich ist das gesamte Sozialleben eng mit dem Verein verknüpft: Viele Freunde der Jungs spielen ebenfalls dort, bei Umzügen hilft man sich gegenseitig, am Wochenende trifft man sich auf dem Fußballplatz und auch die Frauen und Freundinnen sind bestens integriert. „Für uns ist das normal“, fasst Lars Kohler die Bindung zum Verein zusammen. Eine Frage steht jedoch noch aus: Wer ist denn nun der beste Fußballspieler der Familie? Kaum ist die Frage ausgesprochen, antwortet Dennis direkt: „Das ist Kevin“. Opa Egon Kohler erwidert jedoch: „Mich hat ja niemand mehr spielen sehen.“ Die vier müssen wieder lachen, blicken auf einen alten, ausgeschnittenen Zeitungsartikel und schwelgen weiter in Erinnerungen.





